21.08.2020

Greta Thunberg wieder in Berlin

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, deren erstaunliche Karriere der Gudrun-Verlag seit längerer Zeit genau verfolgt, hält sich gerade wenige hundert Meter von unserem Berliner Verlagsbüro auf. Während der Rest der Welt gebannt auf die neusten Corona-Zahlen blickt, bleiben Thunberg und ihre vielen AnhängerInnen auf die nach wie vor uns alle bedrohende Klimakrise fokussiert. Schließlich ist der Klimawandel vom lieben Gott nicht aufgehoben worden, nur weil wir uns gerade mit einer Pandemie herumschlagen. Der heutige Tagesspiegel berichtet:

Klimaaktivistin Greta Thunberg hat im Zuge eines Treffens mit Kanzlerin Angela Merkel ihren allwöchentlichen Klimaprotest nach Berlin verlegt. Die 17-jährige Schwedin setzte sich am Freitagvormittag gemeinsam mit einigen Dutzend weiteren Demonstranten mit coronabedingtem Abstand zueinander vor das Brandenburger Tor, um ihrer Forderung nach mehr Einsatz gegen die Klimakrise Nachdruck zu verleihen. 

Normalerweise protestiert Thunberg jeden Freitag in ihrer Heimatstadt Stockholm vor dem schwedischen Parlament für einen entschlosseneren Kampf gegen die Klimakrise. Aus ihrer vor zwei Jahren begonnenen Protestaktion ist die internationale Klimabewegung Fridays for Future entstanden, die vor allem in Deutschland zahlreiche Anhänger gefunden hat.

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16.08.2020

Bücherdämmerung? 

Im Berliner Tagesspiegel ist zu lesen:

In der deutschen Buchbranche leuchten die Warnlampen, es herrscht Krisenstimmung auf dem weltweit zweitgrößten Buchmarkt. Denn immer weniger Bundesbürger greifen noch zum Buch. Die alte Daumenregel, dass gut die Hälfte der Bevölkerung Buchkäufer sind, gilt nicht mehr: 2017 kauften nur noch 29,6 Millionen Bundesbürger mindestens ein Buch, das entspricht 44 Prozent der Privatpersonen ab 10 Jahren, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Donnerstag in Frankfurt bekanntgab. Zwischen 2013 und 2017 sank die Zahl der Käufer auf dem Publikumsbuchmarkt um 6,4 Millionen, das ist ein Rückgang um 17,8 Prozent.

 Wurden 2017 rund 367 Millionen Bücher verkauft, waren es 2013 noch 398 Millionen Exemplare. Nach der vom Börsenverein in Auftrag gegebenen Studie „Buchkäufer - quo vadis?“ halten Hektik und Stress immer mehr Menschen davon ab, Bücher zu lesen. Das Buch passt nicht mehr so gut zum Lebensrhythmus. Die stärksten Rückgänge gibt es in den Altersgruppen von 20 bis 50 Jahre. 

„Es wächst der soziale Druck, ständig reagieren und dranbleiben zu müssen, um nicht abgehängt zu werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis, mit Blick auf die „digitale Multitasking-Gesellschaft“. Das Lesen als Erlebnis werde nach wie vor hoch geschätzt. Doch angesichts von Google, Facebook und Co sagten immer mehr Menschen, sie kämen einfach nicht mehr dazu.

Mehr dazu erfahren Sie unter https://www.tagesspiegel.de/kultur/krise-im-buchmarkt-studie-das-buch-passt-nicht-mehr-zum-lebensrhythmus/22657780.html



1.08.2020

"Ein weiteres Pestjahr würde all diese Unterschiede versöhnen; eine enge Auseinandersetzung mit dem Tod oder mit Krankheiten, die den Tod bedrohen, würde die Galle von unseren Gemütern abschäumen, die Feindseligkeiten unter uns beseitigen und uns dazu bringen, mit anderen Augen zu sehen als denen, mit denen wir zuvor die Dinge betrachtet haben."

--Daniel Defoe, Die Pest zu London, 1722

14.07.2020

Hier ist Eine aktuelle Mitteilung von der Frankfurter Buchmesse:

Hessische Landesregierung gibt grünes Licht / Umfangreiches virtuelles Programm geplant

Die Frankfurter Buchmesse 2020 wird stattfinden. Das hat der Aufsichtsrat der BBG (Börsenverein des Deutschen Buchhandels Beteiligungsgesellschaft) heute entschieden.

Geplant ist, die Frankfurter Buchmesse auf dem Messegelände, dezentral in der Stadt Frankfurt am Main und zeitgleich virtuell stattfinden zu lassen. Grundlage für die Durchführung der 72. Frankfurter Buchmesse auf dem Messegelände ist ein detailliertes Gesundheits- und Hygienekonzept, das die dann geltenden Schutzverordnungen des Landes Hessen umsetzt und die Sicherheit der an der Messe teilnehmenden Besucher*innen, Aussteller*innen und Mitarbeiter*innen gewährleistet. Das von der Frankfurter Buchmesse und der Messe Frankfurt gemeinsam erarbeitete Hygienekonzept hat das Ordnungsamt und das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt überzeugt. Aufgrund der dynamischen Lage ist die kontinuierliche, fachliche Evaluation der Gesamtsituation und eine ständige Anpassung an die geltenden rechtlichen Voraussetzungen unerlässlich.

„Die Frankfurter Buchmesse ist das Schaufenster der internationalen Buchbranche und hat auch deshalb in den letzten Jahren einen immer größeren Zuspruch gefunden – nicht nur beim Fachpublikum und im Rechtehandel sondern auch bei den Leserinnen und Lesern. Sie ist zu einer internationalen Agora des intellektuellen Austausches geworden. Diesen Diskurs-Charakter wollen wir auch in der Krise nutzen und für die Zukunft der Buchbranche erhalten,“ sagt Siegmar Mosdorf, Vorsitzender des Aufsichtsrates.

Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, betont: „In diesem Jahr ist es wichtiger als je zu vor, die Frankfurter Buchmesse durchzuführen. Mit der Präsenz auf dem Messegelände, Buchevents vor Ort und virtuell schaffen wir Öffentlichkeit für Autorinnen und Autoren, für die Branche, für unsere Themen. Die Frankfurter Buchmesse 2020 ist coronabedingt eine Sonderedition – ein Programm vor Ort, kombiniert mit zukunftsweisenden digitalen Formaten. Wir danken dem Ministerpräsidenten des Landes Hessen, Volker Bouffier, dem Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, dem Finanzminister Michael Boddenberg sowie dem Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, Peter Feldmann, für ihre große Unterstützung.“

Die Frankfurter Buchmesse erwartet die Teilnahme von Ausstellern aus ganz Europa und, abhängig von den dann geltenden Reisebeschränkungen, dem internationalen Ausland. Details zur Programmplanung und zur diesjährigen Kampagne werden Ende Juni bekannt geben.

„Die Frankfurter Buchmesse ist ein Teil der DNA dieser Stadt und auch eine Ikone der Messewirtschaft. Wir freuen uns sehr darüber, dass sich die Branche für eine Buchmesse 2020 entschieden hat und damit ein sehr positives wirtschaftliches Signal sendet. Dabei haben – wie dies bei der Messe Frankfurt stets der Fall ist – die Sicherheit und Gesundheit aller Teilnehmer höchste Priorität. Wir haben ausgefeilte Maßnahmen hinsichtlich Abstandsregeln, Besucherführung und Hygiene erarbeitet, und werden das Konzept den aktuellen Erkenntnissen und Anforderungen anpassen. Die Umsetzung wird sehr strukturiert erfolgen, und wir werden die Frankfurter Buchmesse mit allen Kräften unterstützen“, so Uwe Behm, Geschäftsführer der Messe Frankfurt.

Digitales Rahmenprogramm

Das digitale Rahmenprogramm der Frankfurter Buchmesse deckt mit vielen Angeboten die Anforderungen sowohl der Teilnehmer*innen vor Ort als auch der virtuell zugeschalteten Teilnehmer*innen aus der ganzen Welt ab: Unternehmens- und Produktpräsentationen, Anlässe und Formate zur Geschäftsanbahnung, Kontaktaufnahme mit Geschäftspartnern, Markttrends und Weiterbildung. „Derzeit entwickeln wir eine Reihe von digitalen Formaten, die genau auf diese Kundenbedürfnisse eingehen und die Teilnahme von Unternehmen und Akteuren aus dem Publishing und angrenzenden Industrien weltweit an der Buchmesse 2020 ermöglicht,“ führt Juergen Boos aus.

Um Bücherfans weltweit über die Neuerscheinungen des Bücherherbstes 2020 zu informieren, findet die Frankfurter Buchmesse eine Woche lang auch virtuell statt. Geplant ist unter anderem ein BOOKFEST-Zentrum, von welchem aus die Frankfurter Buchmesse und ihre Medienpartner Neuerscheinungen und Autor*innen vorstellen und relevante Diskussionen anstoßen wird.

Die großen deutschen Publikumsverlage – die Verlagsgruppe Random House, die deutschen Bonnier Verlage, die Holtzbrinck Buchverlage sowie die Verlagsgruppe Bastei Lübbe – haben im Austausch mit der Frankfurter Buchmesse die Idee eines neuen Veranstaltungskonzepts im Rahmen der Buchmesse initiiert. Sie sind eng in die Konzeption, Kommunikation und später auch die Umsetzung dieser Idee involviert.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Initiativen aus der Buchbranche, die sich mit vielen Ideen zu digitalen und physischen Formaten einbringen will, und die mit der Frankfurter Buchmesse im regen Austausch steht.

Ehrengastauftritt 2020

Die Frankfurter Buchmesse berät aktuell mit dem Ausrichter des Ehrengast-Auftritts, dem kanadischen Kulturministerium und Canadian Heritage, über ein der Situation angepasstes Konzept. Eine Entscheidung wird in Kürze erwartet.

Die Frankfurter Buchmesse 2020 – aktueller Planungsstand:

  • Termin: Die Frankfurter Buchmesse findet vom 14. bis 18. Oktober 2020 statt.
  • Fachbesuchertage sind vom 14.- 18. Oktober. Am Wochenende (17. und 18. Oktober) ist die Frankfurter Buchmesse zusätzlich für das Publikum geöffnet.
  • Zugelassene Besucherzahl: Die Zahl der auf dem Gelände zeitgleich zugelassenen Besucher*innen richtet sich nach der im Oktober belegten Bruttofläche.
  • Einlass: Der Einlass erfolgt kontaktlos nach Vorabregistrierung und Selbstauskunft über den Gesundheitszustand.
  • Hallenbelegung: Derzeit konzentriert sich die Planung auf sechs Hallenebenen (Hallenebenen 3.0 und 3.1, 4.0, 4.1 sowie 6.0 und 6.1).
  • Platzierung: Die Platzierung wird voraussichtlich Mitte Juli abgeschlossen sein.
  • Standfläche: Die kleinstmögliche Standfläche wird 8 m² betragen. Aussteller, die 4  gebucht haben, erhalten ohne Mehrkosten weitere 4  dazu. Alle weiteren Standgrößen werden ebenso nach einem Staffelmodell kostenneutral aufgestockt.
  • Gangbreiten: Darüber hinaus wird jedem Stand 1,5 Meter der davor liegenden Gangbreite als zusätzliche Kommunikationsfläche zugeschlagen.

Die Gangbreite in den Hallen liegt zwischen 6-8 Meter.

  • Rechtehandel: Das literarische Agentenzentrum - LitAg (neuer Standort in Halle 6.1) steht in diesem Jahr auch Lizenzverantwortlichen aus Verlagen zur Verfügung.
  • Workspaces: Zusätzlich zu dem Angebot, einen Stand zu mieten, bietet die Frankfurter Buchmesse Interessierten tageweise in jeder Hallenebene Arbeitsplätze in den Frankfurt Workspaces zur Miete an.
  • Bühnen: Die Großbühnen werden in diesem Jahr weitestgehend durch digitale oder entzerrte, physische Angebote ersetzt.
  • Buchverkauf: Besucher*innen können am Messe-Samstag und Messe-Sonntag Bücher zum gesetzlich gebundenen Ladenpreis kaufen.
  • Registrierung und Ticketkauf sind nach einer Vollregistrierung und Selbstauskunft ausschließlich online möglich.
  • Der Ticketshop für Fachbesuchertickets öffnet voraussichtlich am 01.08.2020.
  • Presseakkreditierung: Journalisten können sich ebenfalls ausschließlich online akkreditieren.

23.04.2020

Wozu noch Bücher Lesen in Zeiten von Corona? Sigrid Löffler unterhält sich mit Deutschlandfunk-Moderatorin Andrea Gerk am Welttag des Buches 2020:

In der Corona-Krise haben viele Menschen den Weg aus der Einöde des Alltags in die Welt der Imaginationen angetreten. Sie lesen wieder mehr. Denn Lesen ist ungefährlich, sagt die Literaturkritikerin Sigrid Löffler im Interview.

Andrea Gerk: Heute ist der Welttag des Buches. Aus diesem Anlass hat der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller ein klares Bekenntnis zur Literatur gefordert – unter dem Motto: Bücher sind nicht nur Unterhaltung, sie fördern die demokratische Grundhaltung zu einem hohen Anteil mit. Aber ob das jetzt alles ist, was die Corona-Krise an Lehrstoff für den Buchmarkt mit sich bringt und ob wir irgendwas übersehen haben an entscheidenden Reformchancen für den Buch- und Literaturmarkt, das weiß die Literaturkritikerin Sigrid Löffler. Demokratieförderung und Unterhaltung, sind das tatsächlich die besten und überzeugendsten Argumente fürs Bücherlesen?

Löffler: Na ja, ich verstehe die Dringlichkeit dieses Appells, weil die Notlage der Autorinnen und Autoren wirklich alarmierend ist. Aber wenn man die Bedeutung des Buches betonen will, dann ist der Hinweis, dass Bücher angeblich die demokratische Grundhaltung fördern, kein sehr triftiges Argument. Genauso wenig überzeugend ist die Abwertung der Unterhaltung, denn gute Bücher sind ja immer auch unterhaltend. Es gibt eine Reihe von guten Argumenten für das Buch und überhaupt für die Kulturtechnik des Lesens. Warum lesen die Leute? Sie lesen zum Vergnügen, sie lesen zur geistigen Selbstintensivierung, sie lesen zur Erweiterung ihrer Kenntnisse, zur Selbstverständigung über die Welt, aus Lust am Surfen in Gegenwelten, zum Zeitvertreib, zum sozialen Distinktionsgewinn – all das sind gute Gründe. Aber die Förderung einer demokratischen Grundhaltung, die gehört wohl eher nicht zu den Motiven, warum die Menschen zum Buch greifen.

Ein Porträt von Sigrid Löffler vor einem unscharfen grünen Hintergrund. (imago / teutopress )Sigrid Löffler merkt, dass der Ernst dieser Krise auch durchschlägt auf die Wahl der Bücher, die sie jetzt lese. liest (imago / teutopress )

Gerk: Macht nicht so richtig Lust, ein neues Buch aufzuschlagen. Jetzt wäre es aber notwendig, dass wir alle viel lesen, denn der Lockdown hat den Buchmarkt extrem getroffen: 30 Prozent Umsatzeinbußen waren es im März und im April schaut es auch nicht viel besser aus. Aber ist das schon das ganze Bild ?

Löffler: Nein, keineswegs. Man muss nämlich auch in Betracht ziehen, dass der Onlinehandel Zuwächse meldet. Berliner Buchhändler durften sich überhaupt freuen, weil ihre Buchläden ja als lebensnotwendig eingestuft wurden. Das hat ihnen ein Verkaufsgeschäft wie vor Weihnachten beschert – das hat jedenfalls ein euphorischer Buchhändler gemeldet. Und der illegale Download von urheberrechtlich geschützten Buchdateien, der ist ja angeblich weltweit sogar um 33 Prozent gestiegen.

Lesen ist technisch anspruchslos

Gerk: Sie haben es schon gesagt und ich habe auch von meinem Buchhändler gehört, dass mehr gekauft wurde. Offenbar wurde auch mehr gelesen – erwiesenermaßen auch, wenn die Buchläden zu waren. Wie erklären Sie sich das? Nur aus Langeweile wird es ja auch nicht gewesen sein?

Löffler: Es liegt, glaube ich, auf der Hand. Wir sollen nicht verreisen, wir sollen daheim bleiben, und da empfiehlt es sich natürlich zu lesen, und das Lesen ist ungefährlich. Es ist technisch anspruchslos. Es braucht keine Stadien, es braucht keine Ausstellungsräume, keine Theater- und Konzertsäle, um vonstatten gehen zu können. Und oft benötigt man dafür nicht einmal einen Laptop. Das Lesen verursacht auch keine Luftverschmutzung, es macht keinen Verkehrsstau, keinen Anstieg der CO2-Werte, und in seiner häufigsten Nutzungsform benötigt man dafür ja nicht einmal Strom – jetzt mal allenfalls abgesehen vom Nachttischlämpchen für nächtliche Leseratten.

Gerk: Jetzt haben viele Kommentatoren schon prophezeit, die Welt wäre eine andere nach Corona: Also die Krise sozusagen als heilsamer Schock, der uns dazu bringt, mal über das wirklich Wesentliche nachzudenken, auch zum Beispiel, ob wir so weiterwirtschaften dürfen wie bisher. Das wird ja längst von vielen infrage gestellt. Wäre das zum Beispiel auch eine Option für den Buchmarkt? Da hört man ja, dass Leser und vor allem Buchhändler auch schon länger stöhnen, dass eigentlich viel zu viel rauskommt.

Löffler: Ja, es wäre wünschenswert, dass sich da etwas ändert. Stellen wir uns mal spaßeshalber vor, wie ein qualitätsbewussterer und nachhaltigerer Buchmarkt aussehen könnte, wenn die richtigen Lehren aus der Corona-Krise gezogen würden, wenn die Buchverlage endlich die Überproduktion von unnötigen Büchern einstellen würden in Zukunft. Brauchen wir denn wirklich so viele Fibeln zum Thema „Räum dein Leben auf“? Könnten wir nicht auch mit weniger Finanzratgebern auskommen, mit weniger Psycho-Lebenshilfe, mit weniger Esoterik-Gesäusel? Und brauchen wir wirklich noch einen Dorfroman und noch eine lauwarme Lovestory zwischen einem Webdesigner und einer Influencerin? Und haben wir all diesen Ökokitsch nicht ohnehin längst satt, all diese Bücher über Wald-Wellness und übers Bäume-Umarmen?

Es ist Zeit, aufzuräumen

Gerk: Es ist also Zeit, im Bücherregal aufzuräumen, wenn auch nicht nach Aufräumratgeberrezepten. Das gilt ja vielleicht auch für die Globalisierung, die uns jetzt drei Jahrzehnte beherrscht hat, in eine Überdynamisierungskrise sei sie geraten und endgültig kollabiert. Ist das auch jetzt etwas, das sich für die Literatur überholt hat?

Löffler: Die Globalisierung gilt ja als entlarvte Grundübel unserer Zeit, die schuld ist an allen Fehlentwicklungen. So geht jetzt die Diskussion. Aber die Frage ist, gilt das auch für die Literatur? Ich glaube, für die Gegenwartsliteratur trifft das ganz und gar nicht zu, ganz im Gegenteil. Die Globalisierung hat die Literatur auf eine ganz ungeahnte Weise bereichert. Die Globalisierung der Literatur ist sogar eine der großen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte. Bedenken Sie, der Atlas der Literaturlandschaften hat sich verschoben – weg vom Eurozentrismus hin zu einer globalen Literatur. Die Literaturen aus Europa und Nordamerika stehen längst nicht mehr im Mittelpunkt. Der Fokus der Aufmerksamkeit liegt zunehmend auf außereuropäischen, auf nicht westlichen Literaturen. Die Literatur hat sich also globalisiert, und sie wächst dabei rasant und findet auch weltweit immer mehr Leser. Damit einher geht natürlich auch die Öffnung der zeitgenössischen Literatur für die bedrängenden Themen unserer Zeit und der ganzen Welt – also die Themen: weltweite Migration, Landflucht infolge von Klimawandel, Verstädterung im Weltmaßstab. Das sind die großen Themen der Zeit, und damit sind das auch die großen Themen dieser neuen Weltliteratur. Das lässt sich gar nicht überschätzen.

Gerk: Haben Sie auch persönlich festgestellt, dass es einige Bücher in Ihrer Bibliothek gibt, die Sie nicht mehr brauchen oder die Sie jetzt, wo Sie vielleicht doch auch noch mehr Zeit zum Lesen hatten, gar nicht mehr interessiert haben?

Löffler: Ja, ich merke natürlich, dass der Ernst dieser Krise schon auch durchschlägt auf die Wahl der Bücher, die ich jetzt lese. Meine Lektüre ist deutlich anspruchsvoller geworden, und sehr viel von dem, was ich vielleicht früher auch noch an Neuerscheinungen gelesen hätte, finde ich jetzt einfach abgeschmackt und lau und uninteressant und lese es gar nicht. Es geht mir schon auch um die wesentlichen Bücher, und da bin ich ziemlich streng geworden in meiner Auswahl.

Gerk: Wollen Sie uns verraten, was ein wesentliches Buch ist? Was hat Ihnen denn jetzt gerade in den letzten vier, fünf Wochen besonders Freude gemacht oder etwas gegeben?

Löffler: Ich finde, dass der neue Roman von Lutz Seiler „Stern 111“, für den er ja auch in Leipzig den Buchpreis bekommen hat, tatsächlich ein bedeutendes Werk ist, das auch Bestand haben wird und triftig ist und plausibel für die Zukunft. Und wenn man sich unterhalten will – und Unterhaltung ist ja auch unglaublich wichtig –, dann würde ich schon die große Tudor-Trilogie von Hilary Mantel empfehlen. Der dritte Band ist ja jetzt endlich nach acht Jahren Warten erschienen – ein wunderbares Buch. Es hat über tausend Seiten, hält uns einige Wochen beschäftigt und lohnt sich auf jeden Fall.

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18.04.2020

Seuchenliteratur

Welche Rolle spielt die Literatur in Zeiten von Corona? Und ist der große Pandemie-Roman schon im Anmarsch? Wie kann uns die Literatur helfen, mit der gegenwärtigen Verunsicherung umzugehen? Die Süddeutsche Zeitung hat einen spannenden Beitrag zu diesen Fragen geleistet. Hier ein Ausschnitt:

Es soll Leute geben, die lesen im Lockdown endlich "Krieg und Frieden". Es gibt aber auch sehr viele, die lesen seit Wochen nervös das halbe Internet durch, auf der Suche nach irgendeiner Nachricht, die ihnen Frieden verschafft in der Pandemie. Ein erlösender Text ist unauffindbar, stattdessen lesen wir: Widerstreitende Expertenmeinungen, Zahlen und Kurven ohne Bezugsgrößen, Ansteckungsrisikoeinschätzungen, Intensivbettenkapazitätsrechnungen, Maßnahmenkataloge, Exitstrategien und dazu Berichte aus jedermanns kleinem Winkel vom Maskennähen, Aus-dem-Fenster-Schauen, Angsthaben. 

Niemand kann jetzt schon sagen, in welcher Geschichte wir uns im Augenblick befinden. Gerade routinierte und leidenschaftliche Romanleser sehnen sich deshalb nach der weltordnenden Funktion der Literatur: Alleine die Dramaturgie einer Erzählung gibt dem Leser gewöhnlich Hinweise darauf, wie sie angelegt ist, wo man sich in der Geschichte gerade befindet (Exposition oder kurz vorm Höhepunkt) und worauf das Ganze möglicherweise hinausläuft. Überraschende Wendungen sind auch in Büchern möglich, stehen aber in einem fein austarierten Verhältnis zu den in der Handlung herrschenden Wahrscheinlichkeiten, laufen also eigentlich kontrolliert ab.

Den ganzen Beitrag finden Sie hier: https://www.sueddeutsche.de/kultur/literatur-corona-1.4877583

2.04.2020

Stufen, von Hermann Hesse 

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

(4. Mai 1941)

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17.04.2020

Aufgrund der jüngst verhängten Sicherheitsmaßnahmen werden wir bis auf weiteres das Berliner Verlagsbüro meiden und nur noch von zu Hause aus arbeiten. Fürs Frühjahr und für den Sommer vorgesehene Projekte sind vorerst suspendiert. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern gute Lektüre und vor allem gute Gesundheit!

31.03.2020

Tragt eine Maske und bleibt gesund!!

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3.03.2020

Dr. Heino Fuchs von der deutschen Lungenstiftung e.V. gibt Folgendes über das Coronavirus bekannt:

Covid-19: Ansteckungsrisiko und Inkubationszeit

Seit seinem Auftauchen im Dezember 2019 wird Sars-CoV-2 intensiv erforscht. In etlichen Studien sammeln Forscher Erkenntnisse etwa zu Ansteckungsgefahr und Genetik. Was bisher bekannt ist - und was nicht:

Wie ansteckend ist das neue Coronavirus?

Bekannt ist, dass sich das Virus durch Tröpfcheninfektion - etwa beim Husten und Sprechen - verbreitet. Vermutlich ist das Virus aber auch in der normalen Ausatemluft nachweisbar. „Der Erreger ist deutlich infektiöser als ursprünglich angenommen“, meint der Infektionsepidemiologe Lars Schaade, Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI).

Nach Auskunft chinesischer Mediziner kann sich das Virus möglicherweise auch über das Verdauungssystem verbreiten. Sie hatten den Erreger in Stuhlproben gefunden, nachdem sie festgestellt hatten, dass einige Patienten Durchfall statt wie üblicherweise Fieber bekommen hatten. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Virus auch über das Verdauungssystem und zumindest einige Tage über Oberflächen verbreitet werden kann. Ein bisher unterschätztes Risiko sei womöglich, dass in Stuhlproben von Patienten in der Initialphase einer Covid-19-Erkrankung durchaus relevante Mengen von Sars-CoV-2 nachweisbar seien, erklärt Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der München Klinik Schwabing.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sei grundsätzlich unklar, wie lange das Virus auf Oberflächen überlebt. Studien legten nahe, dass es einige Stunden oder Tage seien - abhängig von Bedingungen wie Oberfläche, Temperatur oder Feuchtigkeit. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Infizierter Waren mit dem Virus verunreinigt, stuft die Behörde als gering ein. Auch das Risiko, dass sich ein Empfänger über ein Paket ansteckt, das auf dem Transport unterschiedlichen Bedingungen und Temperaturen ausgesetzt ist, sei gering. Importierte Lebensmittel und Waren wie Spielzeug, Computer oder Kleidung seien dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge als Infektionsquellen ebenfalls unwahrscheinlich.

Den besonders schnellen und starken Anstieg der Erkrakungszahlen in China vor allem im Februar 2020 erklärt der Virologe Thomas Schulz von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) auch damit, dass der Erreger in China vermutlich schon wochenlang zirkulierte, bevor die Behörden rigorose Maßnahmen ergriffen. „Hätte man das einen Monat früher gemacht, wäre die Situation vermutlich nicht so eskaliert“, meint Schulz.

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit – also der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - beträgt 2 bis 14 Tage. Deshalb werden Verdachtsfälle zwei Wochen isoliert. Die Inkubationszeit beim neuen Coronavirus könnte Analysen zufolge in seltenen Fällen sogar bis zu 24 Tage betragen und damit 10 Tage mehr als bisher angenommen. Im Schnitt betrage der Zeitraum zwischen Ansteckung und ersten Symptomen wohl drei Tage und damit weniger als die bisher angenommenen gut fünf Tage, ergab eine Auswertung des Experten Zhong Nanshan nach Angaben der China Daily. Der Leiter des nationalen Expertengremiums zur Eindämmung der Lungenkrankheit hatte mit seinem Team 1099 Fälle aus 552 Krankenhäusern in China untersucht. Es handelt sich allerdings um vorläufige Ergebnisse, die weiterer Bestätigung bedürfen.

Ohne genaue Kenntnis der Methode lasse sich zunächst nicht sagen, wie gesichert die neuen Erkenntnisse seien, kommentiert der Coronavirus-Experte Christian Drosten von der Berliner Charité die Analyse in China. „Eine häufige Fehlerquelle bei scheinbar sehr langen Inkubationszeiten ist eine unbemerkte zwischenzeitliche Exposition.“ Nur unter sehr kontrollierten Bedingungen lasse sich ausschließen, dass Betroffene dem Erreger mehrfach hintereinander ausgesetzt waren. Einen Grund zur Änderung von Richtlinien oder Einschätzungen sehe er daher zunächst nicht. Auch Guan Weijie, Mitglied des chinesischen Expertengremiums, ist der Meinung, es gebe derzeit keinen Grund, die übliche Quarantänezeit von 14 Tagen zu verlängern.



3.02.2020

"Wer eine Katze hat, braucht das Alleinsein nicht zu fürchten."

                       --Daniel DeFoe, englischer Autor, 1660-1731

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1.01.2020

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern ein gutes und Gesundes Lesejahr 2020!!

22.10.2019

Neu im Sortiment: Das große Filmlexikon zu "Babylon Berlin". Orte, Personen, Ereignisse.

Endlich da - das erste umfassende Fachlexikon zu Deutschlands beliebtester TV-Serie - exklusiv im Gudrun-Verlag! Aus der Beschreibung:

Wer war bei der Polizei der geheimnisvolle Buddha? Was macht eigentlich ein "Flattermann"? Wie schmeckt Berliner Luft? Diese und viele andere Fragen beantwortet das Babylon-Berlin-Filmlexikon. Und nicht nur das: es werden Hintergrundinformationen zu den Drehorten gegeben, historische Personen wie Stresemann oder Hindenburg näher vorgestellt, die politischen Ereignisse der Zwanziger Jahre beleuchtet. Themen wie Prostitution, Sucht und Verbrechen kommen nicht zu kurz, denn die "Goldenen Zwanziger" hatten ebenso ihre Schattenseiten. Ein MUSS für alle Fans von Babylon-Berlin, für Cineasten und Berlin-Begeisterte, die mehr wissen wollen, als "Babylon Berlin" verrät.

20.10.2019

Klimastreik!


4.10.2019

Neu im Sortiment: Prof. N. Meyer (Hg.), Joseph Beuys: Zwölf Standpunkte und Variationen zum goldenen Hasen. documenta-Beiträge.

Eine Hommage an die Kunst von Joseph Beuys und an sein Konzept des Gesamtkunstwerks. Mit Beiträgen zu:

-Cy Twombly
-Kurt Schwitters
-Andy Warhol
-Waldemar Cordeiro
-Sigmar Polke
-Joan Miró i Ferrà
-Mark Rothko
-Vjenceslav Richter
-Lutz Bacher
-Helen Frankenthaler
-Hajo Bleckert
-Italo Valenti


30.08.2019

Neu im Sortiment: Das Rest-Home. Hilfe für Verfolgte der NS-Diktatur 1933-1939 in Deutschland.

Wir freuen uns, ein neues historisches Werk anzukündigen. Das Rest-Home beleuchtet ein Kapitel der deutschen Geschichte, die bisher unbeachtet gewesen ist und die uns allen zu denken geben sollte. Aus der Beschreibung:

Es wäre möglich gewesen, Hitler, die Judenverfolgung und Kriegsvorbereitungen zu verhindern! Von 1933 bis 1939 gab es in Falkenstein im Taunus ein Erholungsheim, in dem ganz legal Juden, Sozialdemokraten und Kommunisten Hilfe und Unterstützung erhielten. Es waren Unbekannte, aber auch Persönlichkeiten wie der SPD-Politiker Ernst Reuter, der Bildhauer Benno Elkan, der KPD-Funktionär Hermann Ivers.
Dieses Buch berichtet von der unglaublichen Geschichte des "Rest-Home" im Taunus, vom Mut einfacher Deutscher und ihrem Engagement gegen den Nationalsozialismus, gegen Krieg und Rassenwahn. Hätten mehr Menschen 1933 einen solchen Mut bewiesen, hätten nicht nur einige Hundert, sondern Millionen Menschen gerettet werden können.

28.08.2019

Glückwunsch, Greta!!

Es wäre möglich gewesen, Hitler, die Judenverfolgung und Kriegsvorbereitungen zu verhindern! Von 1933 bis 1939 gab es in Falkenstein im Taunus ein Erholungsheim, in dem ganz legal Juden, Sozialdemokraten und Kommunisten Hilfe und Unterstützung erhielten. Es waren Unbekannte, aber auch Persönlichkeiten wie der SPD-Politiker Ernst Reuter, der Bildhauer Benno Elkan, der KPD-Funktionär Hermann Ivers.
Dieses Buch berichtet von der unglaublichen Geschichte des "Rest-Home" im Taunus, vom Mut einfacher Deutscher und ihrem Engagement gegen den Nationalsozialismus, gegen Krieg und Rassenwahn. Hätten mehr Menschen 1933 einen solchen Mut bewiesen, hätten nicht nur einige Hundert, sondern Millionen Menschen gerettet werden können.

27.08.2019

Neu im Sortiment: Paste-ups aus Deutschland

Jede/r kennt sie - die Paste-ups, die neben den althergebrachten Graffitis. Dieses Bildbändchen bringt einige der schönsten Paste-ups, die auf den Straßen unserer Großstädte anzutreffen sind. Aus der Beschreibung:

Paste-Ups von: bad glue, Bartotainment, KA.-A, Mittenimwald, Kurznachzehn, Bobi the Dog, CREM'S, CRIN, Oni, Dustin Stopp, SOON, Bird is the world, Bifido, Mono Lisa, Fatal, SOE05, Marshal Arts, Lütze, Ludo, JASIE34, Bansky, Klappstuhl, Pilzator, MOH one, Reflect, Keule, Ruffian, Aotkptas, Danalessi, El Bocho, Sc. Szyman, Teor, Helvetikat, Mariela Ramos, Tay Spinners, Bädboy, 4BYSIX, Mr Dimples, Betadine, 7th Pencil, L.E.T., Blue Afro, Christopher Andrukiewicz, Prizmu, Dared, SAM, 1zwo3, John Reaktor, Sam Crew, Tegnado, Joiny, Alainz, Silvio Alino, Stickermaid Berlin, Ja!Da!, Cap.one, eurekagotiden, Joiny, Fin Da!, Lembo, liz art berlin u.a. lassen sich auch in Deutschland finden - wir zeigen die schönsten, originellsten und besten Werke dieser Streetart.


23.08.2019

Zur Hälfte geschafft!

Greta nähert sich ihrem Ziel ...

21.08.2019

Welcher Kleinunternehmer oder Freiberufler kennt sie nicht? Ich rede natürlich von den grauen Liebesbriefen in einem unverständlichen Deutsch und mit merkwürdigen, leicht bedrohlichen Schriftarten, die vom Finanzamt in unregelmäßigen Abständen in unsere Briefkästen flattern. In seinem Büchlein "Tod durchs Finanzamt: Wie die Finanzbehörde gegen die eigene Bevölkerung vorgeht" geht unser Autor Michael Prellwitz in Zusammenarbeit mit dem Gudrun-Verlag dem Phänomen FA auf den Grund. Auf hundert Seiten präsentiert er eine Reihe von Fällen, wo die Interaktion mit dieser ganz besonderen Behörde tragisch geendet hat. "Bis heute ist dadurch ein System geworden, das Bürger in ganz Europa in Angst und Schrecken versetzt: Siegbert Springer ertränkte sich, Wilhelm Bosse hängte sich auf, Giuseppe Campaniello verbrannte sich: in allen Fällen hatte das Finanzamt mit überzogenen Steuerforderung Menschen in den Tod getrieben. 'Tod durch das Finanzamt' dokumentiert diese erschütterndsten Fälle, bei denen Existenzen vernichtet wurden, Familien ihr Zuhause verloren, Firmen in die Insolvenz getrieben wurden."

14.08.2019

Greta legt ab

Heute ist Greta Thunberg zu ihrer ca. 2-wöchigen Reise nach New York aufgebrochen. Wer die Reise der CO2-armen Segelyacht Malizia II per Satellit live verfolgen möchte, kann auf die nachstehende Karte klicken:


1.08.2019

Zitat des Monats

>>Wer wirklich lebt und nicht gelebt wird, handelt immer auf Risiko, und es existiert kein wirkliches, das heißt, kein stets sich entfaltendes Leben, das risikolos sein kann.<<

--Eugen Diederichs (1867 - 1930), deutscher Verleger


26.07.2019

Hitzenotstand!

Gestern wurde überall in Deutschland Temperaturen von bis zu 40 Grad gemessen. Hier in Berlin hatten wir immerhin 35 Grad, und die Hitzewelle reißt nicht ab. Wer immer noch an der Realität des Klimawandels zweifelt, braucht nur noch seinen Kopf aus dem Fenster zu stecken.

Zwar kann nichts eine vernünftige globale Klimapolitik ersetzen. Dabei hat das Team vom Gudrun-Verlag eine eigene Empfehlung für heiße Sommertage entwickelt: Ein schönes Buch unter einem kühlen Baum lesen. Und nicht vergessen: Trinken, trinken, trinken ...

20.07.2019

Mondlandung!

Am 21.07.2019 jährt sich die Mondlandung zum 50. Mal. Dieses weltumspannende Ereignis fasziniert die Menschheit immer mehr, sodass man sich fragen muss, warum die bemannte Raumfahrt nicht weiter ins Weltall vorgedrungen ist? Die SciFi-Träume von damals, z.B. von Kolonien auf dem Mond und Expeditionen zum Mars und Jupiter, sind Träume geblieben. Aber das wird sich wohl bald ändern. Nun, wie kann man diesen denkwürdigen Tag besser ehren, als mit einer erneuten Reise zum Mond, und zwar mit den Wundern der modernen Online-Videotechnik?

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18.07.2019

Nelson Mandela

Heute vor 101 Jahren wurde der südafrikanische Widerstandskämpfer und Politiker Nelson Mandela in Mvezo/Transkei geboren. Mandela, der als Kämpfer gegen die rassistische Apartheid-Politik des südafrikanischen Staates und Präsident des African National Congress zwischen 1963 und 1990 inhaftiert und systematisch gequält wurde, kam 1990 frei und wurde 1993 zusammen mit Staatspräsident Frederik de Klerk mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. 1994 wurde Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt. In seinen Memoiren Der lange Weg zur Freiheit schrieb er:

Während dieser langen, einsamen Jahre [der Haftwurde aus meinem Hunger nach Freiheit für mein eigenes Volk der Hunger nach Freiheit aller Völker, ob weiß oder schwarz. […] Ein Mensch, der einem anderen die Freiheit raubt, ist ein Gefangener des Hasses. […] Der Unterdrückte und der Unterdrücker sind gleichermaßen ihrer Menschlichkeit beraubt. Als ich das Gefängnis verließ, war es meine Aufgabe, beide, den Unterdrücker und den Unterdrückten zu befreien.“ [Doch ein langer, noch schwierigerer Weg stand ihm noch bevor.] „Denn um frei zu sein genügt es nicht, einfach nur die Ketten abzuwerfen, sondern man muss so leben, dass man die Freiheit des anderen respektiert und fördert.

16.07.2019

Der Start zum Mond ...

Heute vor 50 Jahren ist das Apollo 11-Raumschiff zum Mond gestartet. Die Trägerrakete, die Saturn V, wurde vom deutschen Ingenieur Wernher von Braun und seinem Team entwickelt. Glücklich, wer bei diesem historischen Start dabei gewesen ist ...

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9.07.2019

Greta Thunberg im Gudrun-Verlag

Pünktlich zum neuen "Friday for Future" veröffentlicht der Gudrun-Verlag Mårten H. Bergströms medienphilosophische Abhandlung zum Thema Greta. Da die junge schwedische Klimaaktivistin mit ihren sechszehn Jahren schon längst einen globalen Ruf erlangt hat und sogar als aussichtsreiche Kandidatin für den diesjährigen Nobel-Friedenspreis gehandelt wird, lohnt es sich, sie im Auge zu behalten, zumal sie immer mehr jüngere und auch ältere Menschen für Klimathemen gewinnt und ihre "Flygskam"-Bewegung auch hierzulande Wirkung zeigt. Eigentlich ein klarer Fall, könnte man meinen. Dennoch bleibt das Phänomen Greta in den höheren Sphären der Geisteswissenschaften gerade wegen der Einfachheit und Direktheit ihrer Botschaft weitgehend unerforscht. Aber das war einmal. Bergströms wissenschaftliche Ausarbeitung "Greta Thunberg. Eine philosophische Verortung zwischen authentischer Begeisterung und medialer Hysterie", die ganz im Sinne der postmodernen Systemtheorie und der dekonstruktivistischen Soziokybernetik ihren Niederschlag findet, und die im unnachahmlichen Sprachstil des Gesellschaftstheoretikers Niklas Luhmann (1927-1998) verfasst wurde, richtet sich ausdrücklich an philosophische Fachleute und erscheint als Bd. 1 der Reihe "Medienphilosophie der Gegenwart". Wie der medienaffine schwedische Doktorand Bergström moniert, "Bei dem kompatiblen Klima-Thema amplifiziert der konvertible Distanzgewinn den Medienrezeptoren transferabel, sodass eine flexible Public-Domain den Kompromiss mitunter leicht manipuliert und dabei eine variable Wahrnehmungs-gewohnheit differenziert."

 Hut ab für unsere treue Kollegin Johanna Wittgenhausen, die in langwieriger Zusammenarbeit mit Herrn Bergström diesen nicht einfachen Text aus dem schon sehr anspruchsvollen Englischen ganz nach dem Willen des Autors in eine noch kompliziertere deutsche Wissenschaftssprache übersetzt hat. Aber wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Oder, wie Herr Bergström diesen Sachverhalt ausdrücken würde, "was denkbar ist, hat immer einen Möglichkeitsmodus". Wie wahr!!

23.06.2019

Hermann Gmeiner vor 100 Jahren geboren

Heute vor 100 Jahren wurde der österreichische Reformer und Aktivist Hermann Gmeiner (1919-1996) in Alberschwende/Vorarlberg geboren. Gmeiner ist als Gründer der SOS-Kinderdörfer in die Weltgeschichte eingegangen. Das Austria-Forum hat Folgendes zu Gmeiner zu berichten:

* 23. 6. 1919, Alberschwende (Vorarlberg)

† 26. 4. 1986, Innsbruck (Tirol)


Gründer von SOS-Kinderdorf

Hermann Gmeiner wurde am 23. Juni 1919 als sechstes von neun Kindern einer Bergbauernfamilie in Alberschwende in Vorarlberg, geboren. 
(Nach dem frühen Tod der Mutter sorgte seine älteste Schwester Elsa für die Kinder und lebte ihm somit vor, was später zum Mittelpunkt seiner SOS-Kinderdorf-Idee wurde - der Beruf einer "Kinderdorf-Mutter". )

Auf Grund seiner guten Leistungen in der Dorfschule erhielt er ein Stipendium, das ihm ab 1936 den Besuch des Gymnasiums in Feldkirch ermöglichte. Noch vor Ablegung der Matura wurde er im Februar 1940 zur Wehrmacht eingezogen und diente in Nord-Finnland (Lappland/Eismeerfront), Russland und Ungarn. Er wurde sechsmal verwundet; bei Kriegsende lag er im Heimatlazarett Bregenz.

1948 legte er die Matura ab und begann anschließend ein Medizinstudium an der Universität Innsbruck, das er zum Teil durch Nachhilfestunden finanzierte. Neben dem Studium war er in der katholischen Jugendbewegung tätig und lernte dort die Not und Verlassenheit der Nachkriegsjugend kennen. Bereits 1947 hatte er eine Jugendgruppe gegründet, den sog. "Stoßtrupp" (StT).

Aus seiner Überzeugung, dass kein Kind ohne Zuhause aufwachsen soll, entstand die SOS-Kinderdorf-Idee. 
(Dabei erinnerte er sich an seine eigene Kindheit und die Ersatzmutter in Gestalt seiner Schwester Elsa. Er entwarf den Plan, für diese Kinder ein Haus – bzw. mehrere Häuser, ein ganzes Dorf - zu bauen. In jedem Haus sollte es eine Mutter geben, auch Geschwister sollten nicht getrennt werden. Auf diesen vier Grundwerten (Mutter - Geschwister - Haus - Dorf) aufbauend, wollte Hermann Gmeiner das erste SOS-Kinderdorf errichten.)

Nachdem sein Plan bei kirchlichen, staatlichen oder privaten Stellen keine Unterstützung erhielt, gründete er 1949 – mit seinen gesamten Ersparnissen von 600 Schilling - den Verein "Societas Socialis" (SOS / Save our Souls), dessen Name später in "SOS-Kinderdorf" geändert wurde. Er appellierte an die Bevölkerung, sein Anliegen mit 1 Schilling pro Monat zu unterstützen. Die Reaktionen waren so überwältigend, dass noch im selben Jahr der Grundstein zum ersten SOS-Kinderdorf in Imst in Tirol gelegt werden konnte.

Hermann Gmeiner war mit der Arbeit mit den Kindern und dem organisatorischen Aufbau des SOS-Kinderdorfs so beschäftigt, dass er schließlich das Studium der Medizin aufgeben musste. Er war Dorfleiter in Imst, organisierte die Errichtung weiterer SOS-Kinderdörfer in Österreich und half mit, SOS-Kinderdörfer in vielen europäischen Ländern zu bauen.

1960 wurde der Dachverband der SOS-Kinderdörfer, SOS-Kinderdorf International, gegründet und Hermann Gmeiner zum ersten Präsidenten bestellt. In den folgenden Jahren wuchs SOS-Kinderdorf über die Grenzen Europas hinaus.

In Anerkennung seiner Verdienste in der Betreuung verwaister und verlassener Kinder erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen; er pflegte Freundschaften mit internationalen Größen wie dem Dalai Lama und Mutter Theresa.

Hermann Gmeiner fühlte sich im Kinderdorf Imst zu Hause und kehrte dorthin, vor allem nach seinen zahlreichen Auslandsreisen, immer wieder zurück. Das Kinderdorf Imst war auch seine Familie, da er nie heiratete und keine eigenen Kinder hatte. Nach 37 Jahren Arbeit im Dienste benachteiligter Kinder starb Hermann Gmeiner am 26. April 1986 in Innsbruck an Krebs. Seinem Wunsch entsprechend, wurde er im Kinderdorf Imst begraben, wo auch eine kleine Gedenkstätte an ihn erinnert.

Als Hermann Gmeiner starb, hinterließ er ein weltumspannendes Werk von 233 SOS-Kinderdörfern in 86 Ländern. Seine Idee lebt bis heute weiter - noch hat nicht jedes Land der Welt ein Kinderdorf, aber es gibt sie inzwischen auf allen fünf Kontinenten.
( 'SOS-Kinderdorf' ist weltweit in 135 Ländern aktiv, betreibt mehr als 550 SOS-Kinderdörfer und mehr als 1500 weitere Angebote wie Kindergärten, Schulen und Sozialzentren sowie Nothilfsprogramme.)

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)

  • Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 1957
  • Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 1969
  • Albert-Schweitzer-Goldmedaille, 1971
  • Goldenes Ehrenzeichen des Landes Vorarlberg, 1974
  • Sonning-Preis der Universität Kopenhagen, 1979
  • Komturkreuz mit dem Stern des Gregorius-Ordens, 1981
  • Großer Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland BRD
  • Chevalier de 1-Ordre National du Merite
  • dänischer Danebrog-Orden
  • Orden der Krone von Thailand
  • Ehrenbürger von Alberschwende
  • Ehrenbürger von Bethlehem
  • Ehrenbürger von Los Angeles


18.06.2019

Jürgen Habermas wird 90

"Wahrheit nennen wir den Geltungsanspruch, den wir mit konstativen Sprechakten verbinden. Eine Aussage ist wahr, wenn der Geltungsanspruch der Sprechakte, mit denen wir, unter Verwendung von Sätzen, jene Aussage behaupten, berechtigt ist."

Na dann! Jedenfalls viel Glück und viel Segen auf all' Ihren Wegen!

16.06.2019

Sommerlust - oder Sommerfrust?

Endlich - ein Artikel für Sommermuffel (und für alle, die eine Neigung dazu haben). Aus bento:

"Wochenende, Sonnenschein, hoch die... Füße. Auf die Couch. Drinnen. Mit zugezogenen Gardinen und Eiskaffee. Wenn ihr, liebe Lesende, jetzt denkt: Uff, das ist ja traurig – dann ist dieser Text für euch geschrieben ..." 
(Weiterlesen...)

12.06.2019

Berlin - die volle Stadt?

Alle Welt will nach Berlin, deswegen wird Berlin immer enger für die BerlinerInnen selbst - volle Straßen und Plätze, volle U- und S-Bahnen, volle Supermärkte, volle Veranstaltungen und und und. Vor allem im heißen Sommer! Umso wohltuender und gleichzeitig unheimlicher ist es, die Stadt mal ganz leer zu erleben, z.B. in dieser faszinierenden und geradezu postapokalyptischen Bilderreihe von Nils Markwardt und anderen Fotografen. 

20.05.2019

Der neue Investitionsratgeber ist da!

Unser Autor David C. Rosenbaum aus den USA legt jetzt seinen neuen Finanzratgeber im Gudrun-Verlag vor. Zwar ist heute der Begriff "bedingungsloses Grundeinkommen" in aller Munde, aber manche Menschen wollen nicht so lange warten. Beim Buch "Monatliches Einkommen - durch Aktien, ETFs und Fonds" kommt jede/r AnlegerIn auf einen (geld-)grünen Zweig!


12.04.2019

"Flugscham" - ein schwedisches Phänomen erreicht Deutschland

Nun stehen die Sommerferien (fast) vor der Tür, und wir sollen nicht mehr fliegen? In anderen Worten, Zinnowitz statt Zypern?Das sieht der neue Trend aus Schweden vor, und die Meinungen darüber sind geteilt. "Flygskam" nennen das unsere nördlichen NachbarInnen, allen voran die jugendliche Klima-Aktivistin Greta Thunberg, deren Bewegung "Fridays for Future" auch hierzulande die Schulen in ihren Bann ziehen. Dabei ist die Kritik am übermäßigen Fliegen genauso alt (und berechtigt) wie die Umweltbewegung selbst. Zum Greta-Phänomen planen wir eine eigene Publikation (Erscheinungsdatum: Mitte Juni dieses Jahres). Zur Anti-Flugreisen-Bewegung erfahren Sie mehr hier.

21.03.2019

Aufgeschoben - nicht aufgehoben

Nun wird der Brexit doch noch verschoben - aber das ist wohl nur eine Galgenfrist. Schrecklich dabei finde ich, dass die BritInnen nicht nur keinen Plan B haben, sie haben nicht einmal einen Plan A ...!

13.03.2019

It's the final countdown ...

Die schier unaufhaltbare Selbstdemontage des Vereinigten Königreichs kommt langsam in die Endrunde. Die englische Guardian-Journalisten Marina Hyde hat heute ins Schwarze getroffen, als sie schriebThe question of whether Brexit represented a midlife crisis or the descent into senility appears to have been answered. The land that likes to picture itself as a David Niven world war two movie is in fact a look-away episode of The Jeremy Kyle Show. On close inspection, the “beacon of democracy” turns out to be a bin fire. 

Das betrifft alle, auch das Gudrun-Team in unserem Verlagsbüro in der Berliner Friedrichstraße, denn schließlich hatten wir bis zur verhängnisvollen Brexit-Wahl im Jahre 2016 mit dem Gedanken gespielt, eine Dependance in London zu eröffnen, um von dort aus unsere englischsprachigen Bücher (sowie die unseres englischsprachigen Schwesterverlags The Ravenwood Press) zu verkaufen. Diese Pläne haben wir längst auf Eis gelegt. Na gut - schließlich gibt es inzwischen wesentlich bedeutsamere Probleme, z.B. die Zukunft der gesamten europäischen Wirtschaft sowie das Wohlergehen unserer britischen Schwestern und Brüder. So stehen wir, wie alle anderen Menschen in der Welt auch, wie der Hase vor der Schlange und harren der Dinge, die da noch kommen werden ...

8.03.2019

Zum Weltfrauentag 2019

(c) Sophia Boddenberg

„Ich bin im Exil, Analphabetin, irre umher, Borderline. Ich will Gold sein, Indianerin, dunkelhäutig, eine Indianerin, die euch meine Geschichte vergessen lässt…“, sagt Daniela Catrileo mit lauter und fester Stimme in einem vollbesetzten Saal. Sie trägt bei einer Performance, zusammen mit anderen Künstler*innen, eines ihrer Gedichte im Museum der Schönen Künste in Santiago de Chile vor. Daniela Catrileo ist 31 Jahre alt. In dem Gedicht, das sie heute präsentiert, geht es um die Suche nach ihrer Identität ...

Fortsetzung auf Deine Korrespondentin.

1.03.2019

Eine neue Heldin wird geboren

Zum diesjährigen Weltfrauentag - der in diesem Jahr zum ersten Mal ein gesetzlicher Feiertag in Berlin ist - empfehle ich allen Fans von spannenden Abenteuergeschichten die ersten beiden Bände der Afrika-Chronik von Tanja Bädecker, die in unserem Schwesterverlag Edition Graugans erscheint. Wer wahrhaft starke weibliche Charaktere in der heutigen Jugend- und Erwachsenenliteratur vermisst, kommt hier voll auf seine Kosten. In dieser Serie können Sie nämlich die Abenteuer der jugendlichen Protagonistin Jenny Sandau in Ostafrika verfolgen. Bd. 1, Afrikaflug, sowie Bd. 2, Fünf Faden tief, sind soeben als Taschenbücher erschienen. Die Bände Der Weg nach Libertalia und Der Nordwind Express sollen im Laufe des Jahres folgen. Die junge Münchnerin Jenny, zusammen mit ihrem älteren Bruder Daniel und ihrem tansanischen Freund Joseph, haben inzwischen einen festen Platz in unseren Herzen gefunden. Und diese süchtig machenden Romane sind keineswegs nur für Jugendliche gedacht, sondern auch für alle Fans von spannender, herausfordernder Literatur. Wir wünschen diesen fantastischen Romanen viele begeisterte Leserinnen und Leser!


Steht die Jugendliteratur vor dem Aus?

So schlimm ist es noch nicht bestellt, aber neue Zahlen von Bookseller Magazine verzeichnen einen scharfen Abwärtstrend in der britischen YA-Branche. Im vergangenen Jahren ist der Umsatz um ca. 26% zurückgegangen. (Wie es hierzulande aussieht, weiß ich momentan nicht, aber da die meisten Jugendbücher sowieso aus Großbritannien und den USA kommen, wird sich dieser Trend sicherlich auch umgehend bei uns bemerkbar machen). Woher kommt diese Trendwende in einem bisher wachsenden Markt? Ein Artikel in der Guardian weist auf mehrere Faktoren hin: 1) Zunehmendes Interesse für US-amerikanische Importe, 2) zu viele "worthy", d.h. moralisierende und "politische korrekte" Titel, die auf wenig Gegenliebe stoßen, 3) der wohl unaufhaltsame Niedergang der bis vor kurzem populären dystopischen Romane im Stile von "Die Tribute von Panem", sowie 4) der Einbruch der Vorschusszahlungen an potentielle JugendautorInnen, die teilweise nur noch 1.000 für einen ganzen Roman erhalten, sodass immer mehr AutorInnen das Weite suchen. Noch gravierender scheint allerdings die Schließung von Kinder- und Schulbibliotheken aus Kostengründen. Keine Bibliotheken, keine Bücher. So einfach ist das manchmal. 

Mehr zu diesem Thema hier.



10.02.2019

Valentinstag - diesmal richtig ...

Wer an diesem Valentinstag ihrem/seiner Liebsten ein schönes Buch schenken möchte, muss nicht weit suchen: Kurt Tucholskys kurzer Liebesroman "Rheinsberg - ein Bilderbuch für Verliebte" gehört zu den schönsten und kurzweiligsten Werken dieses schönen Genres. Obwohl sich die Zeiten in vielerlei Hinsicht geändert haben - die beiden ProtagonistInnen werden z.B. nicht ständig durch Emails und lästige WhatsApp-Nachrichten um den letzten Verstand gebracht - bleibt diese Geschichte eines freizügigen aber herzlichen Berliner Paares, das einen schüchternen Wochenendausflug ins konservative Brandenburgische wagt, im Kern genauso prickelnd und aktuell wie im Jahr 1912, als Tucholsky seine Novelle einem begeisterten Publikum vorlegte. Inzwischen liegt auch unsere Ausgabe vor, und ich LIEBE dieses Cover! Ich wünschen allen Verliebten eine herzklopfende Lektüre!

4.02.2019

Per Twitter zum Schweigen gebracht

Manchmal verschlägt es einem einfach die Sprache. Eine junge, vielversprechende chinesisch-französisch-amerikanische Autorin namens Amélie Wen Zhao unterzeichnet einen Vertrag mit einem großen US-Verlag für eine Fantasietrilogie -  Geldwert: eine Viertelmillion Dollar - und wird anschließend von einem Twitter-Lynchmob mundtot gemacht. Am Ende verzichtet sie auf die Veröffentlichung ihrer Bücher und entschuldigt sich auch noch. It was never my intention to bring harm to any reader of this valued community, particularly those for whom I seek to write and empower, schreibt Zhao.

Was hat diese Nachwuchsautorin verbrochen? Ganz einfach: Ihre Protagonistin, die natürlich in einer reinen Fantasiewelt im Weltall lebt, hat "bronzefarbene Haut" und blaue Augen. Außerdem erwähnt Zhao im ersten Band die Institution der Sklaverei, wobei sie eigentlich (und ganz logisch) auf die weitverbreitete Zwangsarbeit in Asien anspielt, ohne dabei an die Epoche der afrikanischen Sklaverei in Nordamerika zu denken, aber egal - für die selbsternannten politisch korrekten SittenwächterInnen der USA, die sich keine anderen Kulturkreise vorstellen können, hat sie sich schon des unverzeihlichen Verbrechens der "cultural appropriation" bzw. der "kulturellen Aneignung" schuldig gemacht und hat folglich nichts mehr zu melden. Eine Chinesin will über die schwarze Sklaverei schreiben? Und die Heldin ihrer Trilogie hat "bronzefarbene Haut"? Über solche Sachen dürfen nur Schwarze schreiben! Ein klarer Fall - die Dame ist eine üble Rassistin. Dabei ist gar nicht klar, ob diese modernen InquisitorInnen das nie erschienene Buch überhaupt gelesen haben. Ja, so schnell geht das, wenn es darum geht, die eigenen Click-Zahlen auf Kosten kreativer AutorInnen zu erhöhen. Mehr zu diesem traurigen und inzwischen gar nicht ungewöhnlichen Fall können Sie hier erfahren.

Das ist wahrlich eine merkwürdige Vorstellung - dass AutorInnen und Verlage irgendwie die Knechte namenloser GroßinquisitorInnen sind - ohne jegliches Recht auf Fantasie und freie Meinungsäußerung. Hier beim Gudrun-Verlag berufen wir uns allerdings nicht auf Twitter, sondern auf unseren eigenen gesunden Menschenverstand sowie auf Artikel 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland:

Artikel 5

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen.

3.01.2019

Ein Neues Jahr

Das Team vom Gudrun-Verlag wünscht allen Leserinnen und Lesern ein gutes und gesundes 2019. In diesem Jahr fiebern wir vielen interessanten Projekten entgegen. Vor allem freuen wir uns auf den hochwertigen Kunstband "Perlen des Neuen Jerusalem", der von unserem Autor Claus Bernet herausgegeben wird. Dieses recht ungewöhnliche Buch behandelt das Thema des Neuen bzw. Himmlischen Jerusalem aus der Sicht der drei monotheistischen Weltreligionen, die diese ganz besondere Stadt als heilig ansehen. Insofern ist dieses Werk, das von einem Rabbiner, einem Imam und einem evangelischen Pfarrer begleitet wurde, ein Beitrag zum Frieden in dieser besonders unruhigen Ecke unserer ohnehin unruhigen Welt. Gleichzeitig sehen wir dem Start unserer neuen Klassiker-Serie "Gudruns bunte Reihe" mit besonderer Freude entgegen. Über weitere Neuerscheinungen werden wir Sie etappenweise informieren. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Bücher eine spannende Lektüre!

24.12.2018

Frohe Weihnachten!

Die MitarbeiterInnen des Gudrun-Verlags wünscht allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes und besinnliches Weihnachtsfest!

20.12.2018

Adventsgedanken im Verlagsbüro

Heute, in der Adventszeit, wo die Gedanken der meisten Menschen hierzulande wohl um Christbäume und Glühwein und Geschenke kreisen, schweifen meine eigenen Gedanken etwas ab, denn ich muss ausgerechnet an ... Raupen denken.

Wie bitte?! Ausgerechnet an olle Raupen – in einer Jahreszeit, wo die Natur gänzlich tot zu sein scheint, und wo die Tage immer kürzer und die Nächte immer länger werden? Wo die einzigen nichtmenschlichen Wesen, denen man auf der Straße begegnet, profane Nebelkrähen und die eine oder andere Katze sind? Ich denke aber tatsächlich an fette, matschige Sommerlarven, unbeachtet der vielen Kerzen und Christbäume, die die Finsternis des Berliner Winters erhellen, denn das Wunder der einfachen Raupe, die sich nach einem langen Schlaf im mühsam selbstgestrickten Kokon und nach schier unbegreiflichen Transformationen in einen strahlenden Schmetterling verwandelt, vollzieht sich jetzt trotz Kälte und Schneeregen mitten im norddeutschen Winter im Gudrun-Verlag. Denn dieses kleine Unternehmen, das sich lange Zeit im Schatten seines größeren Partnerverlags, der erfolgreichen Edition Graugans, ein Schattendasein gefristet hat, und der bis vor Kurzem ihr Dasein größtenteils hauptsächlich auf Blaupausen gefristet hat, lebt jetzt auf richtigem Buchpapier - und wie! 2018 ist es uns nämlich gelungen, nach endlosen Planungssitzungen und Verhandlungen eine ganze Reihe von neuen Büchern zu produzieren und auf den Markt zu bringen. Die Berliner Straßenkunst-Serie, die Elemente unseres bisher vernachlässigten Großstadt-Alltags ins Visier nimmt und sie uns zum ersten Mal als authentische Kunst präsentiert, ist seit November bei uns erschienen. Die bisher unbeachteten Phänomenen von bemalten Trafokästen (Kai M. Staffel), Korkmännchen (Rubén E. Guerroro), Straßengärten (Bruno Pietsch) sowie die mannigfaltigen Erscheinungsformen von „Balkanien“ (Annette von Arnstein) werden jetzt zum ersten Mal einer größeren Leserschaft vorgestellt. Der wunderschöne Bildband „Perlen des Neuen Jerusalems“ von Claus Bernet et al. erscheint bis Ende des Monats Dezember. Im Dezember erscheint auch die deutsche Ausgabe von Jon Bernsteins „Der Amerikafahrer“. Gleichzeitig feiern wir die Veröffentlichung des utopischen Romans „Die Siedlung“ von Auguste Hauschner aus dem Jahre 1918, und zwar mit einem biografischen Nachwort von unserem Gründer und Geschäftsführer Alan Nothnagle. Hinzu kommt eine Neuausgabe von Kurt Tucholskys wunderschöner Liebesgeschichte „Rheinsberg“.

Im Neuen Jahr freuen wir uns auf viele weitere Veröffentlichungen. Dazu zählen Werke von unseren neuen Autorinnen Judy Mandelbaum und Viktoria Sarotti, sowie weitere Bänder der „Bunten Reihe“ und andere Originalwerke. Wir freuen uns auf das Neue Jahr 2019 – und auf viele begeisterte LeserInnen!